Kunstwerkstatt Rudolstadt e.V.
Kunstwerkstatt Rudolstadt e.V.
Kunstwerkstatt Rudolstadt e.V.
Leidenschaft hoch drei

Erlebnisreiche Wochen im Lager des "Wallenstein" liegen hinter uns. Reiche Eindrücke hinterlassen die Tage im Juni im Heinepark bei allen Beteiligten und die Einmaligkeit der Aufführung macht das Projekt so wertvoll.
Die Kunstwerkstättler Mai Duong, Paula Daniel, Dorothea Piehl und Hannes Grünhardt unter Anleitung von Johanna Fischer halfen den Akteuren, ihre Vorstellungen von Kostümen und Bühnenbild  zu verwirklichen. Farbig stimmige Accessoires, Kleidungsstücke, Banner und mobile Einrichtungsstücke entstanden und gaben der Inszenierung den perfekten Rahmen.
Die Fotos vermitteln nur einen kleinen Einblick in die wirkungsvolle Präsentation.

 

Matthias Biskupek in der TLZ, 14.06.2010

 

"Fest der Leidenschaften" in Rudolstadt

 

Im vergangenen, dem großen Schillerjahr, zeigten die Städte Meiningen, Weimar, Jena und Rudolstadt erstmals gemeinsam, warum Schiller in ihren Mauern heute Bleiberecht hat.
Porträt
Rudolstadt. Junge, sehr junge und sogar ältere Menschen griffen sich ihren Klassiker, führten und sagten ihn auf, und stellten das Ganze unters Motto "Helden". Diesmal war die Leidenschaft dran. Im Rudolstädter Theater hatten sich freie Gruppen aus den Schillerstädten versammelt. Das "Fest der Leidenschaften" enthielt 1 Grußansprache, 1 moderierenden Intendanten, 3 Teile im Theaterhaus, 1 Pause, 1 Spaziergang über die Saale in den nahe liegenden Park und 1 Freiluftaufführung mit nicht gezählten Feuerwerkskörpern, und amüsierten Zuschauern. Hinzu kamen 1 Gesamtleiter, der Rudolstädter Schauspieldramaturg Matthias Spaniel, wunderbares Wetter und auskömmliche Verpflegung. Auf der Bühne also zunächst Jena mit der "Bewegungsküche e.V.", eine noch durch Harald Seime angeregte Tanz- und Pantomimetruppe von Rang und mit Einfällen. Gewiss, die hätte man auch für Goethe oder Seume nutzen können, doch für die Gruppen vom Angergymnasium, der "Aktion Wandlungswelten", der Freien Integrativen GGS STEIN MAL EINS und dem Studententheater Dramathea boten sie den idealen Teppich, wie man gern sagt. Schüler und Behinderte, Sozialarbeiter und Studierende zeigten jeder für sich und alle zusammen, was sie mit Schiller anfangen können: den "Handschuh" und die "Bürgschaft" in "demokratischen Kurzfassungen" (Steffen Mensching), Theater mit Leidenschaft und Einfällen. Meiningen bot "Schiller statt Chiller". Zwei Schulen und "Projekte M e. V" rappten Texte, fragten in Video-Einspielen die Bevölkerung, was sie von "Dr. Ritter", dem Decknamen Schillers, wussten. Das Saalpublikum musste Quizfragen beantworten und gemeinsam die "Hoffnung" rappen:

 

"Es reden und träumen die Menschen viel /
Von bessern künftigen Tagen; /
Nach einem glücklichen, goldenen Ziel /
Sieht man sie rennen und jagen."

 

Das goldene Ziel wurde vom Frauenzentrum Weimar verfehlt, weshalb wir es nur kurz in die Druckerschwärze ziehen. Im Heine-Park ragt das martialische Kriegerdenkmal des Rudolstädter Senioren Convents empor. Das nutzten und umspielten zwei Rudolstädter Schülergruppen, "3extra", das Soziokulturelle Zentrum "Saalgärten" und die "Kunstwerkstadt Rudolstadt". "Wallensteins Lager" bot den Hintergrund eines Probenlagers auf der grünen Wiese. Wie da junge und sehr junge Stimmen, zarte Maiden und Rüpelburschen, den Text skandierten, brüllten, sangen und marschtrompeteten war lustig, ergreifend und stimmig.
Freies Theaterspiel mit der Leidenschaft von Liebhaber-spielern gelingt dort, wo den Musen ein günstiges Klima geboten wird. Musen hausen in Thüringen gern. Noch.
Dies die Botschaft für Kunst- und Theaterfreunde, Geldbeschaffer und Ideenspender. Sie müssen zukünftig nicht mehr als das Äußerste tun.


Matthias Biskupek / 14.06.10 / TA

Kunstwerkstatt Rudolstadt e.V.